Sind wir alle VUCA? – Herausforderungen in der VUCA-World

Willkommen in der VUCA-World. Sind wir alle VUCA? VUCA steht für Volatility, Uncertainity, Complexity und Ambiguity. Diese 4 VUCA-Faktoren bedeuten Unberechenbarkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Das bezieht sich auf bis dato unvorhersehbare Situationen und Herausforderungen, mit denen sich plötzlich viele Unternehmen und Führungskräfte konfrontiert sehen.

VUCA – dieses Kunstwort stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Militärjargon der 1990er Jahre. Damit wurden die Veränderungen zum Ende des kalten Krieges beschrieben: die UdSSR brach zusammen, der Feind war buchstäblich weg. Was nun? Neben dieser Orientierungslosigkeit entstanden kontroverse Diskussionen, wie es weitergehen könnte und wie zu reagieren sei.

Wie können Organisationen und Teams das Unvorhersehbare planen und managen?

Die Grundlagenforschung von Resilienz war noch mit der Frage beschäftigt, wie der einzelne Mensch mit Schicksalsschlägen und Krisen erfolgreich umgehen kann. Inzwischen geht es jedoch darum, wie Unternehmen es schaffen können, Krisen vorzubeugen. (→ Resilienz in Unternehmen und Organisationen)

VUCA, Glaskugel mit gespiegelter Welt

Welche Herausforderungen gibt es?

VUCA symbolisiert einen großen Veränderungsdruck. Zunächst einmal sind neue Rahmenbedingungen nötig, die eine zukunftsorientierte Entwicklung von Organisations-, Führungs- und Personalentwicklungsprozessen überhaupt erst erlauben.

Die Abkehr von der SSEE-Welt – war früher alles besser?

Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“

In der guten alten SSEE-World fand das Arbeits-Leben in ruhigeren Bahnen statt, basierend auf Wiederholungen und erprobtem Erfahrungswissen. Das Leben war noch vorhersehbar, man konnte vieles planen. Alles hatte mehr oder weniger seine Ordnung und seinen Platz.

SSEE World

Die SSEE-World favorisierte Tradition und Zuverlässigkeit. Es gab klare Regeln, Verantwortlichkeiten und Strukturen, die Sicherheit verliehen haben. Diese Zeit war gekennzeichnet durch:

  • Stabilität: Klare Zielvereinbarungen, korrekte Erfüllung von Leistungsvorgaben
  • Sicherheit: Bewahrung, Sicherung und Bestandschutz gehen vor Entwicklung, Erneuerung und Veränderung, Produktivität ist wichtiger als Kreativität
  • Einfachheit: Solides Handwerk, Qualität, Perfektion, Details setzen Maßstäbe
  • Eindeutigkeit: Führung lebt von Entscheidungskraft und klaren Anordnungen, Begriffe wie Partizipation bzw. Mitarbeiterorientierung sind noch nicht bekannt

Was verändert sich in der VUCA-World?

Raus aus der Komfortzone!

Wie durch ein Brennglas hat die Coronakrise längst bekannte Defizite überdeutlich ans Licht gebracht. Bisherige Geschäftsmodelle werden in Frage gestellt oder müssen ergänzt werden. Fragen von neuen Kommunikationswegen und Formen, sei es z.B. die virtuelle Zusammenarbeit, ob im Homeoffice, mit Kollegen oder Kunden, die veränderten Beziehungen und Bedürfnisse oder auch die Digitalisierung vieler Prozesse.

Derzeit beschäftigen sich Organisationen, Mitarbeiter und auch die Forschung mit folgenden Fragestellungen:

  1. Wie gewähren wir die Leistungsfähigkeit von Menschen und Organisationen?
  2. Wie wollen wir zukünftig miteinander arbeiten?
    Schlagworte wie agiles Arbeiten, hybride Führung oder auch New Work werden immer lauter.
  3. Wie kann man mit dem inzwischen sichtbaren Fachkräftemangel und der Frage nach Diversität am besten umgehen?

Die 4 VUCA-Faktoren

VUCA world
VUCA: Volatility – Uncertainity – Complexity – Ambiguity
(Votlatilität – Unsicherheit – Komplexität – Ambigutität)

Volatilität: Die Arbeitswelt unterliegt einem permanenten Wandel, mit einer extremen Veränderungsgeschwindigkeit. Sie wird zunehmend unberechenbarer. Gab es früher ein Pilotprojekt mit einem festen Zeitrahmen, wurde es danach wieder normal ruhig. Heute jedoch ist Veränderung der neue Dauerzustand. Alles ist immer in Bewegung, die Märkte, die Produkte und die Kunden.

Unsicherheit: Dieser permanente Wandel führt zu Unsicherheit. Was ist richtig, was ist falsch, es gibt nur noch wenig feste Parameter und stattdessen viele offene Faktoren, die sich nicht mit Sicherheit einschätzen lassen. Ob beruflich oder privat, wir können nur nach bestem Wissen und Gewissen, nach Erfahrungen und vorhanden Ressourcen entscheiden und das müssen wir immer öfter tun. Denn was gestern galt ist morgen oft schon nicht mehr gültig. Daraus erwächst Angst.

Komplexität: Die zunehmende Veränderungs- und Entscheidungsgeschwindigkeit sind Geschäftsleute und Führungskräfte oft schon gewohnt. Doch für viele Menschen ist die neue Schnelllebigkeit, gepaart mit der wachsenden Komplexität aufgrund (zu) vieler Entscheidungskriterien meist ungewohnt. Die kontinuierlich erforderliche regelmäßige Reflexion ist anstrengend, sie ist für viele Menschen überfordernd. Aufgrund dessen werden sie zunehmenden häufiger entscheidungs- oder meinungsunfähig, bis hin zur psychischen Erkrankungen.

Ambiguität: Die neuen Herausforderungen werden durch die Mehrdeutigkeit von Ursachen und Wirkungszusammenhängen weiter erschwert. Die Angst, nicht zu wissen, was passieren wird, wenn man an einer Stelle etwas verändert, prägt das Verhalten in der Arbeitswelt 4.0.

Organisationen und die Neuordnung

Der größte Teil der Organisationen in der VUCA-World muss schnell und agil reagieren und sich quasi dauerhaft neu erfinden. Im Kern geht es bei den meisten Interventionen darum, Voraussetzungen für einen situationsadäquaten Umbau von Organisationen gegenüber den anstehenden Herausforderungen zu schaffen. Eine Rolle spielt dabei eine der Realität angemessene ressourcenaktivierende Führung von Mitarbeitern und die individuelle Befähigung.

Zusammenfassend steht die Gesellschaft vor einer Neuordnung der Arbeitsorganisation mit Fokus auf folgenden Themen:

  • Wie wollen wir Veränderungen gestalten, die Pluralität und Meinungsvielfalt berücksichtigen?
  • Wie können Organisation Arbeitsprozesse gestalten, die ein demokratisches Miteinander fördern, in der Diversität von Menschen und Meinungen eher als Chance denn als Bedrohung wahrgenommen werden?

Für diese und viele weitere Fragen müssen neue Lösungswege gefunden werden.

Wie kann Führung in der VUCA World funktionieren?

Was erwartet Führungskräfte in der VUCA-World des permanenten Wandels? Was müssen sie mitbringen, um trotz großer Unsicherheiten Ihren Mitarbeitern Sicherheit, Ruhe und Vertrauen in das Unternehmen als auch in die eigenen Fähigkeiten vermitteln zu können?

Früher wurden Führungskräfte häufig wegen ihrer Expertise, Erfahrung und Durchsetzungsfähigkeit in eine Leitungsposition befördert. Heute sind jedoch andere Schlüsselkompetenzen relevant für einen gewollt souveränen Führungsstil auf Augenhöhe. Gefordert wird ein hohes Maß an Agilität. Das ist ein Spagat zwischen einem proaktiven, entschlossenen und vorrausschauenden Handeln einerseits und einem gleichzeitigen reaktiven, flexiblen und empathischen Anpassungsvermögen andererseits.

Die Führungskraft als Eier legenden Wollmilchsau oder als Brückenbauer?

Durch die Veränderung wird eine neue Führungskultur geprägt, in der die Führung eine neue Dimension von Verantwortung übernehmen kann oder muss. Dabei muss sie sich an den VUCA-Faktoren ausrichten und diese bei Entscheidungen als teilweise unbekannte Variablen mit einplanen.

Gleichzeitig bietet es den Mutigen auch bisher ungeahnte Freiräume für unorthodoxe Entscheidungen und neue Rahmenbedingen z.B. hybrides Arbeiten. Führungskräfte sind aufgefordert, einen eigenen Kompass zu entwickeln und sich daran auszurichten z.B. werteorientierte oder lebensphasenorientierte Führung.

Grafik - Agiles Mindset in der VUCA World

Führung als Balanceakt

Die neue Zusammenarbeit lebt von Diversität, Komplexität, Veränderung, Kreativität und Toleranz etc. Ob oder gerade wegen der stürmischen Zeit muss eine Führungskraft in der Lage sein, die Menschen mit ihren Bedürfnissen und Ängsten mit auf die neue Reise zu zunehmen. Eine Reise zu wertschöpfenden Ansätzen, mehr Zufriedenheit und Sinnerfüllung in der Arbeitswelt von morgen.

To do’s für Führungskräfte in der VUCA-World!

  • Trainieren Sie Ihre Fähigkeit zur Veränderung, seien Sie mutig und kreativ. Probieren Sie aus, was jetzt passt.
  • Übernehmen Sie und Ihr Team mehr Selbstverantwortung und lernen Sie aus den Fehlern.
  • Seien Sie aktiv, warten Sie nicht bis sich etwas verändert, verändern Sie sich selbst.
  • Erkennen und fördern Sie Ihre Stärken und die Ihrer Mitarbeiter.
  • Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die eine zukunftsweisende Entwicklung für die Organisation, das Team und den Einzelnen ermöglichen.

Wie geht es weiter und wo bleibt der Mensch? Wo finden wir Lösungsansätze für den Arbeitsalltag? Welche Lösungsalternativen gibt es für eine wirksame Digitalisierung und Transformation? Wie können wir mit den permanenten Veränderungen besser umgehen?

Weiterführende Links zum Thema:
→ Organisationsberatung
→ Workshop: Mehr Resilienz für Führungskräfte
→ Führungskräfte Coaching 4.0

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