Kita Fachberatung

Resilienz für Kita Mitarbeiter

Aktuell steigen Selbstverantwortung, Herausforderungen und die Fragen nach dem richtigen Weg. Doch was ist richtig, was ist falsch? Wie geht man am besten mit den Belastungen und Ängsten, den eigenen, denen von Eltern und Kindern um? Diese Fragen stellen sich die meisten pädagogischen Mitarbeiter täglich.

Es geht darum, die Kitas krisenfest zu gestalten. Deshalb sollte das Stärken der Widerstandsfähigkeit von Mitarbeitern, ganz oben auf der To-Do-Liste von fachlichen Weiterbildungen stehen.

Mehr Resilienz für Kita Mitarbeiter

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Angestoßen durch die Langzeitstudien der Entwicklungspsychologin Emmy Werner wurde das Resilienz-Konzept der seelischen Widerstandskraft seit den 1990 Jahren weiterentwickelt. In den unterschiedlichsten Disziplinen von Psychologie, Pädagogik und Gesundheitswissenschaften hat sich die Fokussierung auf die Identifikation von Schutzfaktoren zu Gunsten der Minimierung von Risikofaktoren durchgesetzt.

Insbesondere in der pädagogischen Arbeit gewinnt die Schaffung förderlicher Rahmen-Bedingungen für eine gesunde Entwicklung und damit auch die Resilienzförderung von Kindern zunehmend an Bedeutung.

Was bringen Resilienztrainings in Kitas?

Die Ziele der Trainings hängen von der jeweiligen Fragestellung und Zielgruppe ab.

Training für die einzelnen Mitarbeiter

Auf der persönlichen Ebene könnte es beispielsweise darum gehen, mit Schicksalsschlägen wie dem Verlust eines Arbeitsplatzes, eines geliebten Menschen oder gesundheitlichen Einschränkungen besser umgehen zu können. In diesem Training geht um die Vermittlung von Handwerkzeug, um besser durch eine Krise zu kommen.

Coaching für Kita-Leitungen

Eine große Herausforderung für Kita-Leitung besteht darin, wie sie in unsicheren Zeiten trotzdem Sicherheit vermitteln und die intrinsische Motivation fördern kann. In einem Coaching könnte sie neue Impulse erhalten, wie sie den Zusammenhalt im Team stärken und damit die Kita krisenfester gestalten kann.

Auf organisationaler Ebene für neue oder digitale Arbeits- und Organisationsprozesse

Manch einer Einrichtung ist erst durch Corona, im Zusammenhang mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung bewusst geworden, wie beispielsweise reduziert der Kontakt zu Eltern und Kindern war. Durch die Digitalisierung haben sich nicht nur Kommunikationswege verändert, sondern auch Arbeits- und Dokumentationsprozesse.

Sogar das Thema Medienpädagogik ist nicht nur raus aus der Tabu-Zone, sondern es gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Einsatz neuer Medien ist zunehmend ein fester Bestandteil aktueller Grundsatzdiskussionen in den Einrichtungen und bei Trägern. Mehr organisationale Gelassenheit fördert Arbeitsprozesse und -Strukturen, damit Einrichtungen in dem derzeitigen Beschleunigungs- und Veränderungswahn nicht abgehängt werden.

Wann sind die Maßnahmen empfehlenswert?

Die Aufgabenfelder für das pädagogische Personal sind nach der KiTaReform 2020 außergewöhnlich gestiegen. Sei es die Erstellung eines QM-Handbuches, die Entwicklung einen Beschwerdemanagements oder das Thema Partizipation, um nur einige zu nennen.

Team und Leitung tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass ihre Arbeit entsprechend der Bildungsleitlinien erfüllt wird. Der stetig wachsende Erziehungsauftrag wie z.B. die alltagsintegrierte Sprachbildung und die Entwicklung digitaler Prozesse müssen pädagogisch wertvoll einbezogen werden. Auch die Kommunikation mit den Eltern muss transparent umgesetzt werden.

Mangelnde Wertschätzung im Arbeitsalltag

Die Aufgaben von sozial-pädagogischen Mitarbeitern verändern sich. Fordernd sind die Anspruchshaltung der Eltern, die Einhaltung von Regeln oder auch das tägliche Miteinander in den Generationen.

Durch die zunehmende Individualisierung steigen die Erwartungen so mancher Eltern an sozial-pädagogische Mitarbeiter über ein machbares Maß. Vieles als selbstverständlich genommen, wenig gelobt und dafür umso mehr gefordert.

Die sozialen und emotionalen Herausforderungen in Kombination mit den Veränderungsprozessen in der Gesellschaft wachsen stetig. Das Ergebnis, lange und oft psychisch bedingte krankheitsbedingte Arbeitsausfälle nehmen zu.  Insbesondere Mitarbeiter müssen sehr darauf achten, nicht auszubrennen, sondern leistungsfähig und -willig zu bleiben.

Tabelle Wertschätzung der Mitarbeiter - Resilienz in der Kita

Das wurde deutlich in einer 2015 gemachten Umfrage zur Wertschätzung und Anerkennung von Kitaleitungen (BeWAK Studie).  Mehr als zwei Drittel der befragten Fachkräfte empfanden ihre Leistungen in der Gesellschaft nicht als hinlänglich gewürdigt.

Quelle: Bewak-Studie 2015, auf dem Kita-Bildungsserver

Auch 2020 sieht das Bild ähnlich düster aus. Laut der DKLK-Studie 2020 (S.13) sehen Kita-Leitungen das Verhältnis zu Verantwortung, Arbeitsbelastung und Komplexität der Aufgaben als unausgewogen. 2,3 % der befragten Leitungen sind mit ihrem Gehalt vollkommen zufrieden, während 15 % es für völlig unangemessen halten.
Quelle: DKLK

Überlastungen von Kita-Leitungen

Tabelle Erschöpfung der Kita-Mitarbeiter

Gut die Hälfte der Befragten aus der BeWAK Studie von 2016 gab an, den Herausforderungen des Arbeitsalltags auf Dauer nicht ausreichend gerecht werden zu können. Ebenfalls eine Hälfte der Befragten verwies darauf, erschöpft und ausgelaugt zu sein.

Quelle: Bewak-Studie 2015, auf dem Kita-Bildungsserver

Schon die BeWAK Studie von 2015 bildete die Stimmung und die stetig wachsenden Ansprüche und Aufgaben an das Personal gut ab. Laut den Erkenntnissen der DKLK-Studie 2020, die sich in der fortlaufenden Befragungsreihe der BeWAK 2015 und 2016 versteht, wird schnell ersichtlich, dass sich die Situation noch deutlich verschärft hat.

Schauen wir auf die Zahlen, so wird schnell ersichtlich, dass der Erhalt der seelischen Gesundheit eine Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Arbeitsfähigkeit ist. Maßnahmen zu treffen, ist daher sehr empfehlenswert.

Das Gute-Kita-Gesetz soll helfen. Es werden neue Qualitätsstandards gefordert. Der Fachkraft-Kind-Schlüssel soll verbessert werden und die Elternbeiträge sollen reduziert oder sogar ganz abgeschafft werden. Große Ziele verbunden mit den spannenden Fragen des Demografischen Wandels. Aspekte sind auch der Fachkräftemangel und die Umsetzung des Rechtsanspruches auf Ganztagsschulbetreuung oder der Finanzierung.

Ein neuer Dauerbrenner ist das Thema Arbeitgeberattraktivität mit den Schwerpunkten Mitarbeiterbindung und Fachkräftemangel.

Wie können Mitarbeiter trotz widriger Umstände gelassener werden?

Erzieherin Resilienz in der Kita

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, sollte ein Fokus auf die nachhaltige Gesunderhaltung der Beschäftigten gelegt werden. Wie könnte das Gelingen? Dazu einige erste Empfehlungen.

Zunächst könnten die Mitarbeiter sich eine angenehme, ausgleichende Arbeitsumgebung oder auch einen Pausenraum kreieren. Wichtig ist, wenigsten für einige Minuten mal in Ruhe inne halten zu können.

Unterstützt durch ein alltagstaugliches Achtsamkeitstraining könnten Erzieher gut für sich sorgen und dabei sogar die Kinder mitnehmen. Auch könnten schöne Rituale zur Entspannung gemeinsam mit den Kindern durchgeführt werden.

Resilienz für Kita-Teams bedeutet, sich aktiv den Herausforderungen zu stellen. Dazu sollten das pädagogische Personal sich zunächst seiner Vorbildrolle bewusst sein. Das würde sich beispielsweise in einer Zugewandtheit gegenüber Kollegen und Kindern und ebenso in einer positiven Sprache äußern.

Pädagogische Mitarbeiter sollten über eine gut ausbildete Selbstwirksamkeit verfügen. Das unterstützt sie dabei, sich im Arbeitsalltag anzupassen und funktionsfähig zu bleiben. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten fördert das Selbstbewusstsein und damit die Bewältigung der wachsenden Anforderungen.

Eine wichtige Aufgabe von pädagogischer Fachberatung in Kitas liegt genau darin, Einrichtungen und Träger in den Veränderungsprozessen zu begleiten. Die Fachberatung hilft, flexible Rahmenbedingungen für mehr digitale Kommunikationswege, eine neue Fehlerkultur und vor allem mehr Zuversicht in diesen anstrengenden Zeiten zu erlangen.

„Um klar zu sehen,
genügt oft eine Veränderung der Blickrichtung“

Antoine de Saint-Exupéry

lebenslanges lernen

Lebenslanges Lernen fördert die mentale Widerstandsfähigkeit

Bereits kleine Kinder sind resilient. Durch Ereignisse im Leben lernen sie, kontinuierlich mit neuen Herausforderungen umzugehen. Für die resiliente Entwicklung von Kindern ist die Unterstützung durch mindestens eine Bezugsperson erforderlich. Es müssen nicht die Eltern sein, es kann auch eine Vertrauensperson sein. So werden Kinder durch die nicht immer einfachen Lernprozesse geführt, angeleitet und getröstet.

Resilienz und Salutogenese in der pädagogischen Arbeit

Die Resilienzforschung und das Konzept der Salutogenese bedingen einander. Beide Konzepte stellen Faktoren, die eine gesunde Entwicklung fördern, in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Das ist neu, denn bisher wurde Heilung aus Sicht der Pathogenese betrieben. Das bedeutet Mediziner und Wissenschaftler schauten darauf, was krank macht. Hingegen ändern die Resilienzforschung und auch die Salutogenese diese Perspektive komplett und verfolgen einen gegensätzlichen Ansatz – nämlich den der Prävention.

Resilienz als auch Salutogenese fokussieren Faktoren, die eine gesunde Entwicklung trotz eines prekären Umfelds (wie Armut, Krankheit, Sucht etc.) begünstigen. Damit wird das Konzept praxistauglich für die pädagogische Arbeit.

Für einen Transfer in den Kita-Alltag lautet die zentrale Frage: Welche Umstände und Haltungen begünstigen eine gesunde Entwicklung der Kinder, obwohl sie möglichweise aus einem prekären Umfeld wie Armut, Krankheit, Sucht etc. kommen?

Ein Beispiel für Salutogenese

von dem Begründer Aaron Antonovsky (Salutogenese bei Wikipedia ↗), mit dem er versucht, seine Sichtweise zu verdeutlichen:

Resilienz und Salutogenese - Beispiel des Skifahrers

Die Metapher des „Skifahrers“

Nach Antonovsky behandelt die Pathogenese die gebrochenen Knochen, nachdem ein Skifahrer den Berg nicht heil heruntergekommen ist. Der Schwerpunkt liegt auf der Entstehung und dem Entwicklungsprozess von Krankheiten.

Der Ansatz der Salutogenese ist präventiv und zukunftsorientiert. Am Beispiel des Skifahrers gilt es dann, die Gestaltung eines individuellen Fitnessplans oder die Anlage der Skipiste zu berücksichtigen, bevor es losgeht. Das heißt im Vorfeld werden präventionsorientierte Fragen in den Fokus genommen, damit möglichst viele Skifahrer heil unten ankommen:

  • Was soll der individuellen Trainingsplan berücksichtigen?
  • Wie sollte die Skipiste für unterschiedliche Level gestaltet sein?
  • Welche Schutzkleidung wäre empfehlenswert?

Antonovsky versteht Gesundheit nicht als Zustand, sondern er stellt den Entwicklungs- und Erhaltungsprozess von Gesundheit in den Vordergrund.

Diese vorbeugende, schützende und zugleich fürsorgliche Haltung eignet sich wunderbar für Kitas. Sie lässt sich beispielsweise auf die Gestaltung der Räumlichkeiten und auf das Gesamt-Konzept anwenden.

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