Pädagogische Fachberatung mit Herz

Resilienz in der Kita für pädagogische Mitarbeiter

Aktuell steigen Selbstverantwortung, Herausforderungen und die Fragen nach dem richtigen Weg. Doch was ist richtig, was ist falsch und wie geht man am besten mit den Belastungen und Ängsten, den eigenen, denen von Eltern und Kindern um? Diese Fragen stellen sich täglich die meisten pädagogische Mitarbeiter in Kitas.

Unsere Angebote

→ Resilienz-Workshop für Kita-Teams
→ Resilienztraining für Führungskräfte und Einrichtungen
→ Pädagogische Fachberatung Kita in Schleswig-Holstein

Angestoßen durch die Langzeitstudien der Entwicklungspsychologin Emmy Werner wurde das Resilienz-Konzept der seelischen Widerstandskraft seit den 1990 Jahren weiterentwickelt. In den unterschiedlichsten Disziplinen von Psychologie, Pädagogik und Gesundheitswissenschaften hat sich die Fokussierung auf die Identifikation von Schutzfaktoren zu Gunsten der Minimierung von Risikofaktoren durchgesetzt.

Insbesondere in der pädagogischen Arbeit gewinnt die Schaffung förderlicher (Rahmen-)Bedingungen für eine gesunde Entwicklung und damit die Resilienzförderung von Kindern zunehmend an Bedeutung.

Warum sind Resilienztrainings in Kitas empfehlenswert?

Im Kontext von Globalisierung, Technologisierung und Personalverknappung wird es für die Mitarbeiter zunehmend wichtiger, erste Lösungsschritte und eigene Strategien zu entwickeln, um dem Negativtrend der sowohl organisationsbedingten als auch individuellen Belastungen entgegen wirken zu können.

Die Aufgabenfelder für das pädagogische Personal sind nach der KiTaReform 2020 außergewöhnlich gestiegen. Sei es die Erstellung eines QM-Handbuches, die Entwicklung einen Beschwerdemanagements oder das Thema Partizipation, um nur einige zu nennen.

Das Team und die Leitung tragen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass die pädagogische Arbeit entsprechend der Bildungsleitlinien erfüllt und der stetig wachsende Erziehungsauftrag wie z.B. die alltagsintegrierte Sprachbildung, Entwicklung digitaler Prozesse, Kommunikation mit den Eltern pädagogisch wertvoll und transparent umgesetzt werden.

Ein neuer Dauerbrenner ist auch das Thema Arbeitgeberattraktivität mit den Schwerpunkten Mitarbeiterbindung und Fachkräftemangel.

Darüber hinaus verändern sich die Aufgaben von sozial-pädagogischen Mitarbeitern, die Anspruchshaltung der Eltern, die Einhaltung von Regeln oder auch das tägliche Miteinander etc. in den Generationen. Überforderung, Gefühle von mangelnder Wertschätzung und Mitsprache bis zur Demotivation untergraben die einstige „Lust auf Arbeit“ bzw. den „Teamgeist“. Lange und oft psychisch bedingte krankheitsbedingte Arbeitsausfälle nehmen zu.

Die Aufgabenbereiche werden immer komplexer. Die sozialen und emotionalen Herausforderungen nehmen in Kombination mit den Veränderungsprozessen in der Gesellschaft zu. Insbesondere pädagogische Mitarbeiter müssen sehr darauf achten, nicht auszubrennen sondern leistungsfähig und -willig zu bleiben.

Schauen wir auf die Zahlen, so wird schnell ersichtlich, dass der Erhalt der seelischen Gesundheit eine Grundvoraussetzung für eine gute Arbeitsfähigkeit ist.

Resilienz in Kitas sollte ganz oben auf der to-do-Liste von (fachlichen) Weiterbildungen stehen.


Belastungen im Kita-Alltag

“In einer 2016 gemachten Umfrage zur Wertschätzung und Anerkennung von Kitaleitungen (BeWAK Studie) wurde deutlich, dass mehr als zwei Drittel der befragten pädagogischen Fachkräfte ihre Leistungen in der Gesellschaft als nicht hinlänglich gewürdigt empfanden. Gut die Hälfte der Befragten gab an, den Herausforderungen des Kitaalltags auf Dauer nicht ausreichend gerecht werden zu können. Ebenfalls eine Hälfte der Befragten verwies darauf, erschöpft und ausgelaugt zu sein. Knapp 90 % der Erzieher beschreiben die Gehaltsstruktur für das was sie leisten müssen als nicht angemessen. Lediglich 5% der Leitungskräfte sind mit dem Gehalt zufrieden.”
Quelle: nifbe.de

„Um klar zu sehen,
genügt oft eine Veränderung der Blickrichtung“

Antoine de Saint-Exupéry

Menschen sind in Übergangszeiten besonders krisenanfällig

Was sind Übergangszeiten und wen können sie in der Kita betreffen?

Alle, vom Kind über die pädagogischen Mitarbeiter bis hin zur Kitaleitung können von seelischen Belastungen betroffen sein. Grundsätzlich stellt jede neue Lebensphase – auch eine schöne und gewollte wie ein beruflicher Aufstieg, Umzug, Hochzeit, Geburt eines Kindes etc. eine Übergangsphase und damit verbunden eine neue Herausforderung dar. Manche (vor allem negative) Lebensereignisse überrollen uns ganz plötzlich und unerwartet. Vieles haben wir uns ausgemalt, gewünscht und erhofft – doch häufig kommt es ganz anders. Statt der erträumten Freude, endet so manche Veränderung in einer Krise.

Bezogen auf den Kita-Alltag beschreiben Übergänge bereits für die Kleinsten einen neuen Lebensabschnitt, der ein hohes Maß an psychischer Widerstandskraft erforderlich macht, wie beispielsweise die Eingewöhnungsphase, der Wechsel in eine andere Gruppe, Einrichtung oder gar die Trennung der Eltern.

Übergangszeiten für die Kleinsten

Hat ein Kind Schwierigkeiten, sich auf die neue Situation einzulassen und klammert sich stattdessen an das Elternteil, so deutet dieses Verhalten auf eine geringere mentale Widerstandsfähigkeit hin. Der Grund dafür könnte eine auffällige Unsicherheit gegenüber den eigenen Gefühlen, in Kombination mit einem ambivalenten Bindungsverhalten sein. Resiliente Kinder hingegen sind offen, lassen sich ein, sie wollen dazugehören und gemocht werden. Sie lassen Hilfe zu, können ihre Gefühle und Bedürfnisse regulieren, anstatt übermäßig bockig oder laut zu sein.

Übergangsphasen für die pädagogischen Mitarbeiter

Äußere Geschehnisse, d.h. Veränderungen im Umfeld wie die Covid-19-Pandemie, Tod / Erkrankung einer Kollegin, Trägerwechsel, große räumliche Umbauten etc. haben oft unterschwellig enorme Auswirkungen auf die individuelle Vulnerabilität und somit gleichsam auf die Umsetzung der pädagogischen Arbeit.

Anzeichen für wenig Resilienz von pädagogischen Mitarbeitern könnten an starken Stimmungsschwankungen ersichtlich werden. Oftmals ist der Fokus primär auf negative statt auf positive Dinge gerichtet ist oder auch ein ewig passives Abwarten darauf, dass jemand anderes Entscheidungen trifft und eine prekäre Situation meistert, deuten auf eine höhere Vulnerabilität der jeweiligen Mitarbeiter.

Wie können Erzieher ihre Resilienz im Kita-Alltag trotz widriger Umstände stärken?

Zunächst könnten die Mitarbeiter sich eine angenehme, entspannende Arbeitsumgebung schaffen und gut für sich sorgen, unterstützt durch ein alltagstaugliches Achtsamkeitstraining und schöne Rituale, die gemeinsam mit den Kindern durchgeführt werden könnten.

Resilienz bedeutet, sich aktiv den Herausforderungen zu stellen. Dazu müssen die Erzieher sich zunächst ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Das würde sich beispielsweise in einer Zugewandtheit gegenüber Kollegen und Kindern ebenso wie in einer positiven Sprache äußern.

Erzieher sollten über eine gut ausbildete Selbstwirksamkeit verfügen, die sie im Arbeitsalltag dabei unterstützt, sich anzupassen und funktionsfähig zu bleiben. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten fördert das Selbstbewusstsein und damit die Bewältigung der wachsenden Anforderungen.

Herausforderungen für Kitaleitungen in Übergangszeiten

Viele Leitungen haben das Gefühl, es wird immer mehr und sie kommen gar nicht mehr hinterher. Es ist immer weniger möglich, auf Altbewährtes zurückzugreifen. Stattdessen prägen zunehmend die Rolle des Feuerwehrmanns oder des Rettungssanitäters ihren Kita-Alltag. Bei wenig Resilienz kann das schnell zur Überforderung führen. So werden beispielsweise Prioritäten nicht mehr richtig gesetzt, Entscheidungen immer wieder verschoben oder Personal- und Elterngespräche verlaufen weniger sachlich.

Dagegen haben resiliente Leitungen neben ihrer Erfahrung ein gutes Bauchgefühl. Sie verlassen sich auf ihre Intuition und können schnell oder sogar spontan gute Entscheidungen treffen. Sie handeln nach bestem Wissen und haben in ihrem Team eine neue Fehlerkultur etabliert, die jedem Teammitglied mehr Handlungsspielraum einräumt, da sie gleichzeitig die Angst vor mutigen Entscheidungen reduziert.

Ein Team gelassen durch diese Krisenzeiten zu führen, ist eine Herkulesaufgabe, die eines neuen Führungsstils bedarf. Deshalb ist eine gute Resilienz für Kita-Leitungen besonders wichtig.

Mehr Resilienz in Kitas

Workshop: Resilienztraining für Kita-Teams

Informationen zu konkreten Inhalten, Ablauf und Fördermöglichkeiten

Fachberatung zur Reduktion psychischer Belastungen anfragen


Resilienz und Salutogenese in der pädagogischen Arbeit

Die Resilienzforschung und das Konzept der Salutogenese bedingen einander. Beide Konzepte stellen Faktoren, die eine gesunde Entwicklung fördern, in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Das ist neu, denn bisher wurde Heilung aus Sicht der Pathogenese betrieben. Das bedeutet Mediziner und Wissenschaftler schauten darauf, was krank macht. Hingegen ändern die Resilienzforschung und auch die Salutogenese diese Perspektive komplett und verfolgen einen gegensätzlichen Ansatz – nämlich den der Prävention.

Resilienz und Salutogenese, Hand zu Hand

Resilienz als auch Salutogenese fokussieren Faktoren, die eine gesunde Entwicklung trotz eines prekären Umfelds (wie Armut, Krankheit, Sucht etc.) begünstigen. Damit wird das Resilienz-Konzept praxistauglich für die pädagogische Arbeit.

Was bedeutet Salutogenese für den Kita-Alltag?

Für einen Transfer in den Kita-Alltag lautet die zentrale Frage: Welche Umstände und Haltungen begünstigen eine gesunde Entwicklung der Kinder, obwohl sie möglichweise aus einem prekären Umfeld wie Armut, Krankheit, Sucht etc. kommen?

Ein Beispiel für Salutogenese

von dem Begründer Aaron Antonovsky, mit dem er versucht, seine Sichtweise zu verdeutlichen:

Die Metapher des „Skifahrers“

Nach Antonovsky behandelt die Pathogenese die gebrochenen Knochen, nachdem ein Skifahrer den Berg nicht heil heruntergekommen ist. Der Schwerpunkt liegt auf der Entstehung und dem Entwicklungsprozess von Krankheiten.

Der Ansatz der Salutogenese ist präventiv und zukunftsorientiert. Am Beispiel des Skifahrers gilt es dann, die Gestaltung eines individuellen Fitnessplans oder die Anlage der Skipiste zu berücksichtigen, bevor es losgeht. Das heisst im Vorfeld werden präventionsorientierte Fragen in den Fokus genommen, damit möglichst viele Skifahrer heil unten ankommen:

  • Was soll der individuellen Trainingsplan berücksichtigen?
  • Wie sollte die Skipiste für unterschiedliche Level gestaltet sein?
  • Welche Schutzkleidung wäre empfehlenswert?

Antonovsky versteht Gesundheit nicht als Zustand, sondern er stellt den Entwicklungs- und Erhaltungsprozess von Gesundheit in den Vordergrund.

Diese vorbeugende, schützende und zugleich fürsorgliche Haltung eignet sich wunderbar für Kitas. Sie lässt sich beispielsweise auf die Gestaltung der Räumlichkeiten und auf das pädagogische Konzept anwenden.

Lust, tiefer einzutauchen
in die vorrausschauende Welt der Prävention?!


Weitere Informationen:
Resilienz-Training zur Persönlichkeitsenwicklung, für Führungskräfte und Einrichtungen und Träger in Veränderungsprozessen
Fachberatung Kita Schleswig-Holstein

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